Sven Sinclair

Music, only music, but music…


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Vegetarismus / Veganismus

Ein weiteres Thema auf das ich sehr häufig angesprochen werde ist der Vegetarismus. Selber lebe ich seit Anfang 2011 vegetarisch und tendiere immer mehr zum Veganismus, aber warum und wo kommt das her?

Eigentlich war es nur ein konsequenter Schritt. Ende 2010 hatte ich mich sehr stark mit dem Buddhismus auseinandergesetzt und somit auch mit der Thematik des Tötens (genauer passives Töten in diesem Fall). Vorher hatte ich schon lange sehr viel Respekt dafür, dass da ein Lebewesen gestorben ist für mein Essen, auch die Massentierhaltung war mir irgendwo bewusst wenn ich mich auch nicht so umfassend damit auseinandergesetzt hatte, Jedoch der Fakt, dass ich effektiv mit töte war verdrängt oder nicht bewusst. Ein ernsthaftes Hinterfragen jedoch, ob das wirklich nötig ist und ob ich das wirklich will, führte zu einem klaren nein. Genauer war mein Kerngedanke ob ich will, dass für meinen Konsum (eigentlich meinem reinen Genuss) Lebewesen die wie ich Schmerz, Angst und Leid empfinden können leiden und sterben müssen und vor allem, ob ich mit Schuld haben will, dass das passiert.

Es ist keine Frage von Geschmack, Flesch kann absolut lecker zubereitet werden ohne Frage und bietet auch viele Möglichkeiten, ein paar Dinge „vermisse“ ich sicherlich auch und ich bin froh, dass es Ersatzprodukte gibt bzw. „so wie“ Produkte. Ein paar Menschen belächeln diese „so wie“ Produkte, da sie nicht verstehen wollen oder vielleicht auch können, dass es Menschen gibt die eigentlich gerne Fleisch gegessen haben aber nein zu dem morden sagen. Oft wird dann auch von einem verzichten gesprochen, aber auf was verzichte ich wenn ich etwas nicht mehr genießen kann weil dort etwas für mich wiederwertiges und grausames hinter steht?

Ab diesem Punkt entstehen meistens Streitgespräche zwischen Carnivore und Vegetariern, was ich vielleicht auch etwas erklären mag. Menschen die aus ethischen Gründen aufhören Fleisch zu essen, zeigen ein gewisses Maß an emotionaler Intelligenz. Einhergehend mit emotionaler Intelligenz ist meistens ein starkes Mitgefühl welches auch irgendwo emphatisch macht (solche Menschen sind meistens auch sehr sensibel). Damit will ich Fleischessern nichts in diesem Bereich absprechen. Man sollt sich lediglich bewusst machen, dass diese Menschen durch das auseinandersetzen was dort wirklich passiert vielleicht ein bisschen verzweifeln weil sie es effektiv nicht stoppen können. Sie können sagen ich für mich habe entschieden das nicht mehr mitzumachen, dennoch wird der tägliche Genozid an den Tieren weiter passieren. Wenn man sich diesem Leid nun annimmt und es nach bzw. mitempfindet ist das schon arg bedrückend und daraus resultiert schnell eine emotionale Explosion weil versucht wird anderen „die Augen zu öffnen“ bzw. sie zu der eigenen Position zu bewegen.

Nun, wie ist das bei mir? Natürlich würde ich mir wünschen, dass von heute auf Morgen dieser ganze Wahnsinn mit der Massentierhaltung aufhört, aber das ist ein unerfüllbarer Wunsch. Selber wähle ich auch sehr harte Beispiele wenn ich darüber rede, für mich ist z.B. effektiv nichts anderes als der Holocaust, kein Deut besser. Gut, anstelle von Menschen sind da Tiere – aber das macht es für mich nicht besser weil für mich ein Tier genauso empfinden kann wie ein Mensch und Untermenschen wurden damals nicht großartig anders als Tiere betrachtet. Als ich mich damit auseinandergesetzt habe, habe ich das so für mich erkannt. Vorher habe ich es auch nicht so krass gesehen bzw. erkannt. Hier entsteht nun aber ein Konflikt, weil wenn man Jemandem der Fleisch isst das ganze so knall hart vorsetzt fühlt er sich in die Ecke gedrängt und angegriffen, besonders dann wenn er es selber so nicht sieht oder vielleicht auch sehen kann. Es ist sehr ungemütlich sich damit auseinanderzusetzen, auch kein Vorwurf sondern es liegt in der Natur des Menschen und wir werden Systematisch auch von dieser Frage ferngehalten denn das Morden passiert nicht vor unseren Augen und das Produkt Fleisch kommt meist unblutig und sauber abgepackt bei uns an.

Wenn man jedoch angefangen hat zu hinterfragen, ist es meist schwer das zu akzeptieren, dass es Menschen gibt die es eben nicht hinterfragen wollen. Heute bin ich ziemlich erschrocken darüber wie selbstverständlich das Morden in der Lebensmittelproduktion ist und wo überall versteckt Tierprodukte sind für die Tiere sterben müssen und es muss leider nicht mal draufstehen.

In den Chipsfrisch Chips z.B. wird Fleisch mit verarbeitet für den Geschmack, Coca Cola klärt seine Getränke mit Gelatine (Tierhaut, in diesem Fall von Fischen), ebenso die meisten Weine. Viele Medikamente verwenden Gelatine (hier aus Knochen) für die Konsistenz, aber auch, dass für tierischen Lab im Käse ein Tier verenden muss weiß man vielleicht nicht sofort – muß ja aber auch nicht draufstehen wo der herkommt.

Nun gut, ihr merkt schon, so ganz neutral kann ich auch nicht drüber schreiben, aber ich hoffe doch dass es nachvollziehbar und verständlich ist warm ich mich zu diesem Schritt entschieden habe.

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Offene Beziehungen

Eine ganze Weile nun habe ich schon vor diesen Text zu verfassen weil es ein sehr modernes bzw. zeitgemäßes Thema ist auf das ich häufig angesprochen werde. Anlass habe ich aber auch mehr als genug diesen Text endlich mal zu verfassen.

Ein generelles gut oder schlecht gibt es für mich zu keiner der beiden Beziehungsformen, für manche Beziehungen eignet sich das eine für andere das andere besser es kommt eben sehr stark auf die Partner drauf an und noch mehr darauf wie sie miteinander kommunizieren.

Eine offene Beziehung ist für mich (in meiner Sicht der Dinge) dann sinnvoll, wenn Gewisse Sexualpraktiken von einem oder beiden der Partner (klassische zwei Personen Bindung, poly Verbindungen lasse ich hier mal außen vor.) nicht gewünscht (z.B. SM) oder möglich (das jeweils andere Geschlecht) sind. Grundsätzlich findet für mich eine Trennung zwischen Sexualität und Partnerschaft statt, was nicht heißt, dass beides nicht Hand in Hand gehen kann. Generell ist es so natürlich am schönsten und wünschenswert. Einen anderen Menschen kann man schließlich nicht besitzen und darum mag ich auch den Satz „Was du liest lass frei, kommt es zurück gehört es dir“.

Als Freifahrtschein sich wild durch die Gegend vögeln zu können finde ich eine offene Beziehung Sinn frei und würde persönlich so etwas auch nicht mitmachen. Eine offene Beziehung bringt für mich auch nicht unbedingt mehr Freiheit mit sich, im Gegenteil, es bringt sehr viel Verantwortung mit sich für den Partner und erfordert sehr viel Aufmerksamkeit und Feingefühl ob es dem Partner damit noch gut geht. Klar Eigenverantwortung darf man nicht vergessen, aber was wenn der Partner es aus Verzweiflung mitmacht nur um den Partner nicht zu verlieren? So ein egoistisches Arschloch möchte ich nicht sein. Mich hat man einmal versucht in eine offene Beziehung zu drängen / zu zwingen, im O-Ton war es „ich kann das nur so“ und meine Antwort war zu gehen (gut der im gleichen Atemzug gestandene Betrug war mindestens genauso ausschlaggebend). Aber ich weiß auch wie Willensstark und konsequent ich selber bin und weiß wie viele Menschen es eben nicht sind. Im Idealfall kann man über so etwas locker und frei in einer Beziehung reden.

Eine offene Beziehung sehe ich (wenn es funktionieren soll) nicht als eine Konstante in der Beziehung, sondern etwas das dann ist wenn es beiden damit gut geht und beide es wollen und pausiert wenn einer der beiden es für den Moment nicht kann. Wichtig ist, dass man es als Paar entscheidet. Auch zu Beginn einer Beziehung empfände ich es als unpassend, vielleicht wenn mein Partner schon eine lange sexuelle Bindung mit wem hat und diese nicht verlieren möchte durch die Beziehung.

Fazit, es kann funktionieren – aber man muss sehr vorsichtig sein wenn man kein Arschloch ist und den anderen nicht verletzten will, außerdem braucht es Zeit.

Vermutlich werden viele Leute erstaunt sein wie aufgeschlossen und positiv ich generell einer offenen Beziehung gegenüber stehe, ich denke die Auflagen dazu habe ich oben aber auch gut herausgearbeitet und trotzdem noch einiges vergessen.

Diese Sichtweise kommt nicht von irgendwoher, Erfahrungen, Beobachtungen und natürlich auch viel nachdenken – besonders der Aspekt, warum so wenige Beziehungen in der heutigen modernen Zeit wirklich halten. Wenn man bedenkt, dass Ehen früher viele Jahrzehnte gehalten haben und heute schon lange haltende Beziehung (meine Beobachtung) etwas eher seltenes geworden sind, fragt man sich doch warum das so ist.

Die Antwort fand ich für mich in der heutigen modernen Zeit, sie ist sehr schnelllebig und wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Auch mangelnde Kompromiss Bereitschaft so wie ein vorgegaukelter Selbstverwirklichungswahn der zu einer krassen Egozentrik führt. Schon kleine Konflikte können schnell das Aus für eine Beziehung sein. Letztendlich ist eine Beziehung für mich überwiegend eine gute Freundschaft mit Sex (Sex ist für mich einhergehend mit Vertrauen und Zuneigung). Aber beobachten wir uns selber einmal, wenn etwas kaputt geht reparieren wir es da noch? Oder kaufen wir uns schlicht weg etwas Neues. Meist kaufen wir etwas Neues wenn das Geld da ist, oder nicht? Kaum wer bringt seine Schuhe zum Schuster noch, sein Auto oder seinen Computer bringt man dann schon eher weg aber auch da werden dann neue Teile eingesetzt und die alten entsorgt.

Für mich hab ich beobachtet, dass sich dieses Verhalten auch auf den Umgang vieler Menschen mit anderen Menschen übertragen hat. Du bist nicht so wie ich dich will, also klappt das mit uns nicht – ein neuer Mensch muss her. Daran arbeiten, Kompromisse eingehen und Lösungen finden wie man daran arbeiten kann um es besser / gut zu machen, macht kaum noch wer (Erfahrungsgemäß, vielleicht habe ich aber auch ein Scheiß Händchen für Partner).

Eine offene Beziehung ist für mich so ein „Workaround“ für das Thema Sex in einer Beziehung und letztendlich sehe ich es so; Es muss nicht, wenn Bedarf vorhanden ist kann man darüber reden, es klären und ausarbeiten. Dazu bedarf es aber, wie oben geschildert, einer funktionierenden Kommunikationsbasis.